Presseberichte

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11.11.2002, Märkische Allgemeine Zeitung

Chorsänger ohne Ende

Collegium musicum mit knapp 100 Ensembleleitern auf der Bühne

Einen Ansturm wie den am Samstag Abend hatte Gisela Opitz wohl noch nie erlebt. Bereits eine halbe Stunde vor Auftakt des Abends durch das Collegium musicum und den Brandenburgischen Chorverband e.V. drängte sich die große Publikumsschar im Babelsberger Bethlehemkirchsaal dicht an dicht. Der Anlass: Neben einem großartigen Konzert stellten die Übergabe der Zelter- sowie der Wistuba-Plakette an verdiente Chöre und Einzelpersonen den Höhepunkt dar. Eröffnet wurde das Ereignis mit Bruckners Marsch in d-Moll. War die Menge der Chorsänger beim sich anschließenden Liedsatz des zeitgenössischen Komponisten Herbert Gadsch noch begrenzt, so schien die Schlange beim Einlaufen der Chorsänger zur Wiedergabe von John Rutters "Magnificat anima mea" kein Ende zu nehmen. Knapp 100 Sänger des Projektchors aus verschiedenen Chören des Brandenburgischen Chorverbands e.V., allesamt ehemalige oder amtierende Chorleiter, suchten sich dennoch einen Platz auf der Bühne und lieferten dem Publikum zusammen mit dem vom jungen Knut Andreas geleiteten Collegium musicum ein atemberaubendes auditives Ereignis. Star des Abends war ohne Frage Solosopranistin Gabriele Näther. Ganz in Schwarz gekleidet, bannte sie alle Konzentration des Publikums auf ihre Stimme. Den Laudatoren war dieses Glück weniger vergönnt  das fehlende Mikrofon und eine scheinbar den gesamten Saal umfassende Erkältung machten zumindest den Zuhörern auf den hinteren Stühlen das Verfolgen der Reden weitestgehend unmöglich. Die Zelter-Plakette, die nur an Chöre, die mindestens seit 100 Jahren bestehen, verliehen wird, ging in diesem Jahr an den Männergesangsverein von 1836 aus Schlieben e.V., den Männerchor "Harmonie" aus Plessa und den Männerchor Pritzerbe, der 1901 gegründet worden ist. Carl Friedrich Zelter, 1758 bis 1832 in Berlin lebender Komponist, Musikerzieher und guter Freund Goethes, bestimmte die Entwicklung der öffentlichen Musikpflege in Deutschland wesentlich mit. Seine Kompositionen gelten als wichtige Vertreter der Zweiten Berliner Liederschule. Ulrike Liedtke, Vizepräsidentin des Deutschen Musikrats und Trägerin der Wistuba-Plakette im Vorjahr, hielt zusammen mit Staatssekretär Christoph Helm vom Kulturministerium die Laudationes. Helm betonte die Wichtigkeit und Liedgutwahrung und verwies auf die "große Bereicherung des kulturellen Lebens durch die jahrhundertelange Existenz von Chören". Die Leo-Wistuba-Plakette, so benannt nach dem "Vater des Chores", erhielt Bernhard Pöhlmann für sein dem Chor gewidmetes Lebenswerk sowie seiner "menschlichen und fachlichen Größe", wie es in der Begründung hieß. Gekrönt wurde der lange Abend anschließend mit einem feierlichen Empfang.
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