Presseberichte

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7.11.2002, Märkische Allgemeine Zeitung, Falkensee

Seltene Klarinettenklänge

Matthias Simm stellt außergewöhnliche Werke vor

Nicht als Rattenfänger von Hameln oder moderner Stadtpfeifer von Potsdam, sondern mit romantischen und fragenden Klängen lockt Matthias Simm, Klarinettist der Kammerakademie Potsdam, zum Konzert mit dem Collegium musicum Potsdam am Sonntag in Falkensee. Dargeboten werden Werke von Richard Strauss, Wolfgang Amadeus Mozart, Charles Ives und Knut Andreas.
Der in Potsdam lebende Musiker ist im Musikleben der Stadt vielfältig aktiv. Als Mitglied des Persius-Ensembles tritt er in kammermusikalischer Besetzung auf, an der Universität und Musikschule Potsdam profitieren Nachwuchsklarinettisten von seiner Lehrtätigkeit. Ihm selber wurde die Klarinette geradezu in die Wiege gelegt: Von seinem Vater, der in Berlin als Soloklarinettist tätig ist, lässt er sich auch heute noch gerne Anregungen für sein Spiel geben. An der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin studierte er u. a. bei Professor Karl Leister und bestand sein Konzertexamen mit Auszeichnung, um direkt im Anschluss als Soloklarinettist der (inzwischen aufgelösten) Brandenburgischen Philharmonie Potsdam zu wirken.
Matthias Simm, der beim Gründungskonzert der Kammerakademie Potsdam ein ungewöhnliches Konzert für Piccolo- Klarinette von dem vorklassischen Komponisten Molter vorstellte, ist weiter auf der Suche nach neuen Möglichkeiten für die Klarinette. Gemeinsam mit dem Dirigenten des Collegium musicum Potsdam, Knut Andreas, wurde er fündig: Bei Recherchen stießen sie auf eine weitgehend unbekannte Romanze für Klarinette und Orchester von Richard Strauss. Dieses sehr romantische Werk schrieb der Komponist als 15-jähriger und führte es im Schulkonzert seines Gymnasiums in München erstmals auf. Offensichtlich wusste Strauss schon früh die Vorzüge der klangschönen Klarinette zu schätzen, die wie kein anderes Blasinstrument eine dynamische Differenzierung des Tons - vom äußersten Pianissimo bis zum kräftigen Forte - gestattet. Später setzte er dieses Instrument mit solistischen Momenten in seinen Opern ein und merkte an, dass sich der Klang der Klarinette der menschlichen Stimme nähere. Auch aufgrund dieser breiten Ausdrucksskala ist die Klarinette ein bei Komponisten beliebtes Instrument für die Kammermusik. Nicht nachvollziehbar ist, dass dieses Frühwerk lange nicht zu hören war und erst fast 30 Jahre nach Strauss´ Tod eine Wiederaufführung erlebte.
Einen völlig anderen Charakter spielt die Klarinette in dem Stück "The unanswered question" des zeitgleich lebenden amerikanischen Komponisten Charles Ives. Sie fungiert als Fragesteller, deren Fragen nach dem "ewigen Sein" (Ives) von den Holzbläsern in zunehmend dissonanter, lauter und schneller werdenden Entgegnungen beantwortet werden und doch ohne Antwort bleibt.
Eingeleitet wird das Konzert mit der Ballettmusik "Les petits riens" von Mozart. Den Abschluss bildet die Uraufführung der in diesem Sommer entstandenen "reminESzenzen" des 24-jährigen Komponisten und Orchesterdirigenten Knut Andreas.
Das Konzert in Falkensee findet in der Seegefelder Kirche statt und beginnt am Sonntag um 16 Uhr.
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