Presseberichte
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| 24.5.2003, Potsdamer Neueste Nachrichten |
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Kein Ausflug ins GrüneDas Collegium musicum Potsdam konzertiert morgen in der FriedrichskircheNein, nein, nicht tres faciunt collegium, kein Trio. Ganz im Gegenteil: Das Collegium musicum ist ein ausgewachsenes Sinfonieorchester. Orchester haben, wenn sie geboren werden, zunächst nur Geigen und Celli. Nach und nach wachsen ihnen dann Bratschen und Kontrabässe zu, meist nicht sehr viele, erst dann kommen Flöten und Klarinetten dazu. Ganz, ganz zum Schluss sprießen dann zarte Oboen, Fagotte und Blechbläser (die, unsacht behandelt, aber leicht wieder verschwinden). Dann ist das Orchester ausgewachsen und hat alles, was es zum Auftritt braucht. Nur sehr, sehr selten treten auch Fälle von Pauken und Harfen auf, die aber saisonal begrenzt gebraucht werden (etwa ab Berlioz).Das Collegium musicum Potsdam hat all das, ist mit seinen 58 Jahren im besten Alter, wächst immer noch und treibt heute die schönsten Blüten. In den letzten fünf Jahren hat nämlich ein junger, engagierter Künstlerischer Leiter es so emsig gehegt und gepflegt, dass es jetzt bis zu viermal jährlich neue Konzertprogramme als Ertrag bringt. Darunter finden sich auch exotische Früchte: im letzten Jahr etwa John Rutters "Magnificat", ein seltenes Gewächs des späten 20. Jahrhunderts, das gemeinsam mit drei Chören aus Brandenburger Landen dargeboten wurde. Wenn am morgigen Sonntag um 17 Uhr in der Babelsberger Friedrichskirche Knut Andreas (so heißt der Leiter und Dirigent) zum Pflanz-, Verzeihung, Taktstock greift, präsentiert sich das jung-alte Ensemble (dessen Urgewächse über siebzig, die jüngsten Sprösslinge knapp zwanzig Jahre alt sind) von einer anderen Seite: Bruckner, Händel und Respighi lauten die Namen der Komponisten im Programm. Kennt man alles? Kennt man nicht. Anton Bruckners Ouvertüre g-Moll ist ein Frühwerk, eine Orchesterstudie, die sich hörbar an der Sinfonik des frühen 19. Jahrhunderts orientiert, deren Klänge aber schon viel vom späteren, großen Orchesterklang ahnen lassen. Und, soviel sei nach der Hauptprobe verraten, das Ensemble wird sich nicht nur tapfer schlagen, sondern bravourös und sehr musikalisch mit der dichten Partitur reüssieren. Das folgende Händelsche Concerto grosso erzeugt deutlich kleinere Wellen als die Klangflut Bruckners. Dafür gibt es ausnahmsweise Fagott-Soli, was für barocke Concerti keineswegs üblich ist, wie überhaupt mehr Bläser involviert sind als in jedem anderen Konzert Händels. Beim Orgelkonzert aus ebendessen Feder geht es sehr fröhlich und lebendig zu: Ursprünglich Musik, die in Konzertpausen gespielt wurde, hat das Konzert großen Reiz - gerade wenn der Solopart von Elisabeth Brunnemann-Rademacher, wie bei der Probe beobachtet, so bezaubernd interpretiert wird. Die abschließenden "Antiken Tänze und Arien" Ottorino Respighis (die so antik gar nicht sind: Sie stammen von 1924) fassen das vorige Programm gewissermaßen noch einmal zusammen: Der Komponist spielt mit den barocken Vorlagen, die den Stücken ihre Titel geben, verschneidet sie mit romantischen Klängen und kreiert so eine Musik, die sich nicht einordnen lassen möchte - Bestimmungsbücher für Musik gibt es noch nicht: "Harfe, unaufgelöste Septnonakkorde, Rückungen - siehe Spätromantik". Da hätte der Gärtner es leichter. Dass Potsdam nicht nur Parks zu bieten hat, ist bekannt. Wie prächtig in dieser Landschaft die Laienmusik gedeihen kann, wird das Collegium musicum unter der Leitung von Knut Andreas am Sonntag beweisen. (Frederik Ahlgrimm) |
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