Das Orchester - Ein Portrait
Wann das Sinfonieorchester Collegium musicum Potsdam tatsächlich gegründet wurde, ist nun sicher. Der Ursprung geht auf das Jahr 1945 und den zu der Zeit sehr bekannten Hochschullehrer und Komponisten Prof. Hans Chemin-Petit als Gründer zurück. Einer Quelle zu Folge hat er nach dem Kriegsende Berufsmusiker in einem Streicherensemble vereinigt, eine andere spricht von "Musiklehrern und guten Laienkräften". Er scheint jedoch bereits nach einem Jahr die Leitung abgegeben zu haben. Kurt Wolf, Lehrer am Helmholtz-Gymnasium in Potsdam und später Direktor der Musikschulen in Gera und Rathenow, übernahm nach Hans Chemin-Petit vermutlich in den Jahren 1946 bis 1955 die Leitung des Orchesters. Erst mit Übernahme der Leitung durch Otto Wendt, Violinist im Estradenorchester des Berliner Rundfunks, wird die Quellenlage dichter und sicherer. Otto Wendt gründete das Orchester 1955 quasi neu - dokumentiert wird dies durch ein neu angelegtes Mitgliederverzeichnis sowie durch die 1965 durchgeführten Jubiläumsfeiern zum 10jährigen Bestehen. Während seines Dirigats wurde das Orchester um den Bläsersatz erweitert und in "Sinfonieorchester der Werktätigen Potsdam" umbenannt.
Anfang der 70er bis Ende der 80er Jahre übernahm das Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft eine Art Trägerschaft für das Orchester und stellte damit finanzielle Mittel, Probenraum und Konzertsaal zur Verfügung. Vermittelt wurde diese Kooperation durch den dort angestellten Grafiker Victor Herbert, der über Jahrzehnte für das Orchester organisierte, auch die künstlerische Richtung mitgestaltete, und damit zur "Seele" des Orchesters wurde.
Nach der Wende organisierte sich das Sinfonieorchester Collegium musicum Potsdam als gemeinnütziger Verein. Die Arbeit des Ensembles kam in den 90er Jahren zunehmend zum Erliegen, bis Knut Andreas als Dirigent die Künstlerische Leitung des Orchesters im Herbst 1998 übernahm. Seit knapp zehn Jahren bereichert er die Arbeit des Orchesters durch neue Projekte und die Ausdehnung des Repertoires bis zur zeitgenössischen Musik. Besonderen Wert legt Knut Andreas dabei auf die Zusammenarbeit mit renommierten Solisten und Gastdirigenten. So musizierte das Orchester in den vergangenen Jahren mit Ulrike von Meier (Harfe, Niederlande), Ralf-Torsten Zichner (Klavier, Berlin), Matthias Simm (Klarinette, Kammerakademie Potsdam), Gabriele Näther (Sopran, Hans-Otto-Theater Potsdam), Helge von Niswandt (Konzerthausorchester, Berlin), Katharina Wingen (Sopran, Bonn) und Peter Rainer (Violine, Kammerakademie Potsdam), Ulrike Fabienke (Oboe, Potsdam) und Ralf Benschu (Saxophon, Potsdam). Als Gastdirigenten verpflichtete das Collegium musicum bei vergangenen Konzerten Dirk Wucherpfennig sowie Ronald Reuter.
Im Jahre 2001 fand das Sinfonieorchester Collegium musicum Potsdam im Herzen der Kirchgemeinde Babelsberg, im Bethlehemkirchsaal in der Schulstraße 8c ein neues zu Hause. Der Kirchsaal ist gleichsam Proben- und Konzertsaal für das Orchester. Darüber hinaus sind Konzerte in der Friedrichskirche am Weberplatz und in Falkensee zur Tradition geworden. Jährlich studiert das Orchester zwei bis drei Konzertprogramme ein und bringt diese in sechs bis acht Konzerten in Potsdam und im berlin-brandenburger Umland zur Aufführung.